Fachpraktiker/innen für Zerspanungsmechanik

Markus und Erik absolvieren zur Zeit im zweiten bzw. dritten Lehrjahr eine Ausbildung zum Fachpraktiker für Zerspanungsmechanik im Berufsbildungswerk im Oberlinhaus in Potsdam.

Erik und Markus an der Maschine

© Zukunftstag Brandenburg

Was machen eigentlich Zerspanungsmechaniker/innen? Was sind wichtige Tätigkeiten?

Zerspanungsmechaniker/innen bearbeiten mithilfe von Dreh- und Fräsmaschinen Werkstoffe und bringen sie in jede denkbare Form. Beim Drehen wird das Werkstück in Rotation versetzt und mit einem Werkzeug Span abgenommen. Beim Fräsen ist dagegen das Werkstück fest und das Werkzeug rotiert. Beide Vorgänge werden durch mathematische Berechnungen, die Kenntnisse der Maschine und des Werkstoffs voraussetzen, vorbereitet. Die Eingabe erfolgt dann direkt in der Maschine und am Ende entsteht ein Werkstück oder auch Bauteil. Dieses wird dann z. B. in der Automobilindustrie weiterverarbeitet. Vorwiegend wird Metall verarbeitet, aber zunehmend auch Kunststoff.

Wie seid ihr auf den Beruf aufmerksam geworden?

Während Markus über einer Praktikum bei der Bahn auf die Ausbildung aufmerksam wurde, hat Erik über einen kurzen Umweg in die Ausbildung als Zerspanungsmechaniker gefunden. Zuerst hat er eine Ausbildung als Orthopädietechnik-Mechaniker begonnen, wünschte sich aber mehr Praxis in der Ausbildung und hat deshalb gewechselt.

Was gefällt euch am meisten in der Ausbildung?

Markus: Ich interessiere mich besonders für den Aufbau der Maschinen und habe bereits Gewinde drehen, Rändeln und Innendrehen gelernt. Besonders stolz war ich, als ich an einem Arbeitstag die Maschine dazu gebracht habe, zwei komplexe Werkstücke herzustellen.

Erik: Ich bin bald mit meiner Ausbildung fertig. Insbesondere die Praxisphase, die am Berufsbildungswerk ein Dreivierteljahr dauert, hat mich vom Beruf überzeugt. Ich kann es kaum mehr abwarten als Fachkraft im Betrieb zu arbeiten. Ich habe auch noch die Möglichkeit, mich zur CNC-Fachkraft weiterbilden zu lassen.  Anders als bei der Zerspanungsmechanik, werden hier die Daten nicht in die Maschine direkt eingegeben, sondern es werden Programme für die Maschinen geschrieben.

Werkstatt

© Zukunftstag Brandenburg

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um diesen Beruf zu ergreifen?

Erik und Markus sind sich einig: Für die Ausbildung zum/zur Zerspanungsmechaniker/in sind mathematische Kenntnisse, ein Interesse an Maschinen und ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen nötig. Der Beruf ist zwar im Handwerk angesiedelt, aber da es sich um einen hochtechnologisierten Bereich handelt, verrichten Maschinen die Arbeit. Die Menschen sind für die Programmierung, die Überwachung und die Wartung zuständig. Während in der Ausbildung im Berufsbildungswerk einzelne Werkstücke gefertigt werden, um die Fähigkeiten der Maschinen kennenzulernen und auszuschöpfen, verschiebt sich der Schwerpunkt im Fertigungsbetrieb. Da in der Produktion mehrere 100 Werkstücke in Serie produziert werden, müssen Zerspanungsmechaniker/innen nach der Programmierung der Dreh- oder Fräsmaschinen, diese überwachen. Die Vielfalt an Fertigungsmöglichkeiten setzt eine gut abgerundete Ausbildung voraus: Der Aufbau und die Steuerung von Maschinen, die Zusammensetzung von Kunststoffen und Metallen sowie Qualitätsmanagement, Arbeitsschutz und Grundlagen in der Betriebswirtschaft.

Machen mehr Mädchen oder mehr Jungen die Ausbildung?

Zerspanungsmechaniker/in wird – so wie die meisten Handwerksberufe –traditionell eher von Jungs gelernt, aber langsam kehrt sich das um. Geeignet ist der Beruf für jede Person, die gerne mit dem Kopf arbeitet und ein technisches Verständnis hat.

Erik bei der Arbeit

© Zukunftstag Brandenburg

Was ist das Besondere an der Ausbildung im Oberlin Berufsbildungwerk?

Besonders ist, dass das Oberlin Berufsbildungswerk mit den Oberlin beruflichen Schulen eine inklusive Ausbildungsstätte ist. Das heißt, es wohnen, lernen und arbeiten hier insgesamt ca. 800 Menschen mit und ohne Behinderung. Im Internat wohnen 300  junge Leute, die aus ganz Deutschland kommen.

Markus: Man hat immer  jemanden, mit dem man sich austauschen kann, es gibt am Campus eine gute Umgangsweise unter den Mitschüler/innen und auch mit den Ausbilder/innen.

Erik: Ich wohne inzwischen nicht mehr auf dem Campus, sondern habe meine eigene Wohnung. Ich habe dem Berufsbildungswerk viel zu verdanken und finde solche Einrichtungen wichtig. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass es mehr inklusive Einrichtungen gäbe, damit der inklusive Ansatz richtig gelebt werden und jede Person ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert werden kann.

 

An den Oberlin Beruflichen Schulen können Auszubildende mit, aber auch ohne Schulabschluss den theoretischen Teil ihrer Berufsausbildung absolvieren. Dort wird in kleinen Klassen unterrichtet und es werden die sozialen Fähigkeiten der Schüler gefördert. Mehr Informationen finden ihr hier: www.oberlin-berufliche-schulen.de.