Karriere im Handwerk

Häufig assoziieren Schülerinnen und Schüler mit Berufen im Handwerk, „harte Arbeit für wenig Geld“. Wie aber sieht es heute in der Arbeitswelt des Handwerks tatsächlich aus? Was macht eine Ausbildung im Handwerk attraktiv und welche Karriere- und Aufstiegschancen bestehen?

Wir haben für Euch bei Doreen Hartung vom Projekt „Passgenaue Besetzung“ der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg nachgefragt und viele interessante Antworten und Einblicke erhalten.

Frau Hartung, das Handwerk gehört zu den Wirtschaftsbereichen mit den meisten Auszubildenden in Deutschland, dennoch zögern viele Jugendliche eine Ausbildung im Handwerk zu beginnen. Worin liegen aus Ihrer Sicht die Vorzüge einer Ausbildung im Handwerk?

Eine Ausbildung im Handwerk bringt viele Vorteile mit sich, die sich auf den ersten Blick vielleicht nicht erschließen. So bietet das Handwerk nach der Ausbildung durchaus Karrieremöglichkeiten. Schon als Azubi erhält man mit der Ausbildungsvergütung sein erstes selbst verdientes Geld. Auch Azubis haben Anspruch auf Urlaub während der Ausbildungszeit und nach der Ausbildung bieten weiterführende Qualifikationen, wie zum Beispiel die Ausbildung zum Meister echte Karrieremöglichkeiten und können so auch den Weg in die Selbständigkeit vorbereiten. Heute suchen zudem viele Betriebe im Handwerk Nachwuchs in Führungspositionen, ganz konkret geht es dabei um die Unternehmensnachfolge.

Das duale Ausbildungssystem und die Ausbildung im Handwerk in Deutschland genießt zudem weltweit einen sehr guten Ruf und bietet so auch international gute Perspektiven.

Auch wenn es in der Schule mit dem Lernen mal nicht so gut gelaufen ist, kann man in der Lehre die Erfahrung machen, dass man in einer Ausbildung praxisnah und damit vielleicht auch schneller lernen kann. Zudem bietet die duale Ausbildung Abwechslung zwischen dem praxisnahen Lernen im Betrieb und der theoretischen Ausbildung in der Berufsschule. Durch das Arbeiten im Betrieb erlangt man zudem früh berufliche Handlungskompetenz und mehr Eigenständigkeit. Die Ausbildungszeit ist mit 2 bis 3,5 Jahren überschaubar und die Ausbildung klar strukturiert. 

In Deutschland gibt es insgesamt ca. 130 Ausbildungsberufe im Handwerk. In Ihrem Kammerbezirk werden davon aktuell rund 70 verschiedene Berufe ausgebildet. Wie können sich interessierte Schülerinnen und Schüler über das Angebot im Kammerbezirk informieren?

Die Bandbreite der Berufe in unserem Kammerbezirk reicht von Hightech bis Kunsthandwerk. Zu den Top-10 Berufen zählen einerseits Berufe, die bei Jugendlichen sehr gefragt sind, wie beispielsweise Zahntechniker/in, Hörakustiker/in, Elektroniker/in Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik, Fliesen- Platten -und Mosaikleger/in und KFZ-Mechatroniker/in, zum anderen zählen dazu Berufe in denen seitens der Betriebe ein hoher Bedarf an Nachwuchs besteht, dazu zählen u.a. Elektroniker/in mit der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik, Anlagenmechaniker/in für Sanitär, Heizung- und Klimatechnik, Friseure, Bäcker/in  und KFZ-Mechatroniker/in.

Neben diesen Berufen werden bei uns im Bezirk zudem auch sehr seltene Berufe  wie beispielsweise Orgel- und Harmoniumbauer/in, Büchsenmacher/in, Sattler/in, Metall- und Glockengießer/in und Keramiker/in ausgebildet.

Eine Menge Informationen zur Berufswahl und zu den offenen Ausbildungsplätzen sind auf unserer Webseite
www.azubi-ostbrandenburg.de zu finden. Bundesweit lässt sich zudem auf der Seite des Handwerks im Lehrstellen-Radar nach Angeboten suchen.

Welche Unterstützung bieten Sie von der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg bei der Vermittlung für Schülerinnen und Schüler in die Ausbildung aber auch für Betriebe beim Recruiting neuer Azubis an?

Im Rahmen unseres Projektes „Passgenaue Besetzung“ bieten wir für Jugendliche und Unternehmen einen ganz besonderen Service an.

Jugendliche erhalten neben Informationen zu Handwerksberufen und Fragen der beruflichen Bildung, Tipps zu Bewerbungsunterlagen und Unterstützung bei der Erstellung des individuellen Bewerbungsprofils. Außerdem unterstützen wir ganz praktisch bei der Suche nach Ausbildungsbetrieben und vermitteln bei passendem Bewerbungsprofil direkt an Unternehmen. Auch in Schulen sind wir im Einsatz und informieren im Rahmen des WAT-Unterrichts rund um die Welt des Handwerks.

Mit dem Projekt unterstützen wir zudem kleine und mittlere Unternehmen bei der Nachwuchsgewinnung und bieten Ihnen ein Rundum-Paket bei der Suche nach einem passenden Lehrling.

Da das Projekt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und dem Europäischen Sozialfonds gefördert wird, können wir diesen Service für Jugendliche und Betriebe kostenlos anbieten.

 

 

 

Welche Voraussetzung sollten Jugendliche mitbringen,
die einen Beruf im Handwerk ergreifen möchten ?

Eine Voraussetzung ist für eine Ausbildung im Handwerk allen Berufen gemein: Handwerkliches Geschick und eine gute Koordination von Hand und Auge sind auf jeden Fall wichtig!

Bevor die Berufswahl fällt, ist es wichtig sich im Vorfeld intensiv mit dem zukünftigen Beruf, den typischen Tätigkeiten, den Anforderungen und Rahmenbedingungen auseinander zu setzen und mit den eigenen Neigungen und Stärken abzugleichen.

Der Zukunftstag Brandenburg bietet hier eine gute Möglichkeit, sich einen ersten Einblick in ein Berufsbild zu verschaffen. Als Handwerkskammer bieten wir an diesem Tag einen Einblick in zwei sehr unterschiedliche Berufsfelder an, Elektroniker/in sowie Friseur/in und Kosmetiker/in. Wir freuen uns auf zahlreiche Anmeldungen.