Tierwirt

Mein Name ist Doménique Hauptmann und ich bin 17 Jahre alt. Vor einem halben Jahr habe ich meine Ausbildung zum Tierwirt mit der Fachrichtung Rinderhaltung in der Lehr-und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung e.V. in Groß-Kreutz bei Werder angefangen.


ZKT15_Tierwirt_DSC0174_WEB Wie bist du auf diesen Beruf aufmerksam geworden?
Ich wusste nicht, in welche Richtung ich beruflich gehen wollte. Deshalb ließ ich mich kurz vor Abschluss der zehnten Klasse von unserer Schulsozialhelferin beraten. Da eine Bürotätigkeit eher nicht zu mir passt, ich aber sehr gerne mit Tieren arbeite, schlug sie mir die Ausbildung zum Tierwirt vor. Ich bewarb mich bei meinem jetzigen Ausbildungsbetrieb und wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Weil ich wissen wollte, ob dieser Weg für mich wirklich richtig ist, machte ich ein zweiwöchiges Praktikum und überzeugte so meinen jetzigen Chef – und mich selbst.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um diesen Beruf zu ergreifen?
Als Tierwirt im Fachbereich Rinderhaltung braucht man ein Gesundheitszeugnis, weil man in der Milchproduktion tätig ist. Es ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, aber der Haupt- oder 10. Klasse-Abschluss ist natürlich von Vorteil. Mir persönlich hat die Probearbeit beim Praktikum weitergeholfen, deshalb würde ich allen dazu raten. Außerdem sollte man sich auf Arbeitszeiten auch an Feiertagen und an Wochenenden einstellen.

Was ist das Spannendste an deinem Beruf?
Ich finde die Funktionsweisen der verschiedenen Melkroboter spannend. Am meisten Spaß macht mir aber die Kälberaufzucht, also der „Entstehungsprozess“ der Kälber von der Besamung der Rinder, über den sieben- bis achtmonatigen „Urlaub“ der Tiere auf der Weide bis hin zum Kalben, so nennt man die Geburt des Kalbes.

Was lernt man in der Ausbildung?
Im ersten Lehrjahr lernt man vor allem die Technik kennen, also den Aufbau, die Bedienung und Wartung von Trecker, Melkroboter und anderen Maschinen. Ganz wichtig ist das Thema Futtermittel: Welches Futter benötigen die Rinder und Kälber, damit es ihnen gut geht und damit sie möglichst gute Milch zu produzieren? Im dritten Lehrjahr stellt man sogar selber Futtermischungen her.
Im Betrieb lernt man, das theoretisch Gelernte praktisch umzusetzen. Das fing bei mir mit dem Treckerfahren an. Der Umgang mit den Rindern und das Treiben der Tiere habe ich ebenfalls ganz am Anfang gelernt. Außerdem werden die einzelnen Arbeitsabläufe, wie zum Beispiel die Fütterung, aber auch alles zu den Themen Tierzucht, Tiergesundheit- und Pflege geübt und trainiert.

Was sind deine wichtigsten Tätigkeiten?
Am wichtigsten ist sicherlich das Melken. Da übernimmt man die Kontrolle und Durchführung des Melkvorgangs und kümmert sich um die Wartung und die Einstellung der Melkroboter. Außerdem ist die Betreuung abkalbender, also schwangerer Kühe, wichtig. Man schaut regelmäßig, ob es der Kuh gut geht, um Komplikationen zu vermeiden. Dazu gehört es auch, den Tierarzt zu rufen, wenn es Probleme gibt.

Kannst du von einem beruflichen Erlebnis berichten, das dich glücklich macht?
An meinem ersten Tag des Praktikums durfte ich die Geburt eines Kalbes miterleben. Das hat mich sehr berührt und beeindruckt. Dieses Kalb bekommt von mir noch immer besondere Aufmerksamkeit.

Gibt es etwas an deinem Beruf, das du nicht magst?
Das Reinigen und Desinfizieren der sogenannten „Iglus“, das sind die Ställe der Kälber. Man muss die Boxen regelmäßig ausmisten, reinigen, desinfizieren und mit neuem Stroh auslegen. Dazu gehört auch die Säuberung der Zitzeneimer, das ist eine der Rinderzitze nachempfundene Trinkvorrichtung, aus denen die Kälber ihre Milch trinken.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag in deinem Betrieb aus?
Generell lässt sich der Stall in zwei Kategorien aufteilen: den Melkstand und die verschiedenen Melkroboter. Im Melkstand wird das Melkgeschirr per Hand angesetzt, während der Melkroboter vollautomatisch arbeitet.
In der Frühschicht von 5 Uhr bis etwa 11 Uhr wird der Melkstand vorbereitet. Melkgeschirre werden aufgehängt, alle Kühe in Gruppen zum Melkstand geleitet und anschließend gemolken. Eine spezielle Gruppe von euterkranken Kühen wird separat zum Melkstand geführt, um beim Melken zu schauen, wie sich die Krankheit entwickelt. Nach jeder Kuh muss das Melkgeschirr desinfiziert werden. Unsere besonders leistungsstarken Kühe werden ebenfalls durch Melkroboter gemolken. Sie produzieren täglich ca. 60 Liter Milch! Nach dem Melken werden die Kleingruppen zurück in ihre Buchten getrieben, wo sie ihr Futter bekommen. Das Melken aller Kühe dauert ca. zwei Stunden. Am Ende wird der Melkstand gereinigt und so für die nächste Runde vorbereitet.
Die Spätschicht von 12 Uhr bis 18 Uhr kümmert sich um Stallarbeiten, wie das Ausmisten und die Neuausstreuung der Ställe, sowie die Vorbereitung des Futters. Um ca. 16 Uhr geht das Melken dann in die zweite Runde.
Am Wochenende gibt es Doppelschichten, von 5 Uhr bis 9 Uhr und von 15 Uhr bis 18 Uhr.

Was war dein Traumberuf?
Ich wollte lange Zeit Pilot werden. Meine Sehschwäche machte mir dabei jedoch einen Strich durch die Rechnung.

Wer hat dich bei deiner Berufswahl beeinflusst?
Ohne die Schulsozialhelferin wäre ich nicht auf die Idee gekommen, diesen Berufsweg einzuschlagen. Außerdem war auch meine Mutter eine Zeit lang Melkerin. Wahrscheinlich hat sie mich deshalb immer in meinem Weg bestärkt.

Siehst du deinen Beruf eher als Frauen-oder Männerberuf?
In der Berufsschule ist das Geschlechterverhältnis ausgewogen. In unserem Betrieb arbeiten aber mehr Männer. Grundsätzlich stehen Frauen den Männern in diesem Beruf aber in nichts nach.

Berufe im Video vorgestellt:

Das Video stammt vom BR – Bayerischen Rundfunk/ARD-alpha und wurde uns freundlich zur Verfügung gestellt. Alle Videos des ARD-alpha-Projekts „Ich mach’s!“ findet Ihr hier.

Über Marina Schubert

alter Zugang von Marina Schubert, ms@medienlaborpotsdam.de