Systemgastronom

Mein Name ist Clemens Gocht, ich bin 22 Jahre alt und im dritten Ausbildungsjahr zum Fachmann für Systemgastronomie bei World of Pizza in Potsdam.

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Wie bist du auf diesen Beruf aufmerksam geworden?
Nach meinem Fachabitur wollte ich ursprünglich Raumgestalter werden. Da es in diesem Bereich aber nur wenige Ausbildungsbetriebe gab, habe ich erstmal gejobbt – ein Jahr an einer Tankstelle. Ein Freund, er ist gelernter Koch, schlug mir eines Tages vor, eine Ausbildung zum Systemgastronomen zu machen. Daraufhin recherchierte ich im Internet, um mich zu informieren. Mein Interesse für diesen Beruf war geweckt; bei der Agentur für Arbeit erhielt ich weitere Informationen. Schon drei Wochen später hatte ich meinen Ausbildungsvertrag bei World of Pizza in der Hand.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um diesen Beruf zu ergreifen?
Zuerst muss man sich einen Hygieneausweis ausstellen lassen, da es bei der Arbeit mit Lebensmitteln besonders sauber zugehen muss. In der Regel benötigt man einen guten Realschulabschluss, ansonsten Abitur, welches empfohlen wird. Meiner Chefin ist der Abschluss allerdings nicht so wichtig; sie legt viel mehr Wert auf die soziale Kompetenz: man sollte gut kommunizieren können und eher extrovertiert sein. Für die Position als Teamleiter ist ein starkes Verantwortungsbewusstsein von großer Bedeutung. Von Vorteil sind außerdem gute Kenntnisse in Mathe, insbesondere Prozentrechnung. Gepflegtes Auftreten und Sprachgewandtheit sind für den Kundenkontakt natürlich wichtig. Ordentliches Englisch ist zumindest an Orten mit vielen Touristen von Vorteil.
Wer diesen Beruf ergreifen will, sollte sich im Klaren sein, dass man außergewöhnliche Arbeitszeiten hat. Man arbeitet auch an den Wochenenden und Feiertagen – im Gegensatz zum Großteil im privaten Umfeld.

Was ist das Spannendste an deinem Beruf?
Spannend und wichtig für mich ist vor allem die Abwechslung durch die verschiedenen Arbeitsstationen innerhalb der Firma, bzw. die unterschiedlichen Arbeitsabläufe und die ständig wechselnde Kundschaft. Jeder Tag ist anders. Dadurch muss man sich jeden Tag anders motivieren und sich individuell auf die Kolleginnen und Kollegen und natürlich die Gäste einstellen können.

Was lernt man in der Ausbildung?
Man lernt von Anfang an alles von der Pike auf. Im ersten Lehrjahr arbeitet man vor allem in der Küche und lernt den Umgang mit Lebensmitteln. Daher ist es möglich, nach dem ersten Lehrjahr in die Ausbildung zur Köchin bzw. zum Koch zu wechseln. In der Berufsschule wird vor allem Theorie, wie kaufmännische Tätigkeiten mit Mathematik und Wirtschaft und Soziales zur Vorbereitung auf das mittlere Management, bzw. die Store- Leitung, gelehrt. Es beinhaltet vor allem Einkaufsplanung und Arbeitsrecht, das ist zum Beispiel wichtig, um Dienstpläne zu machen.
Im zweiten Lehrjahr wird man langsam auf die Rolle der Teamleitung vorbereitet. Dazu gehört das Sicherstellen der Qualitätsnormen und der Lebensmittelsicherheit. Außerdem steht das Jahr dann ganz im Zeichen der Organisation.
Im dritten und letzten Lehrjahr werden Teamleitung mit Delegation, Mediation und Streitschlichtung sowie Administration groß geschrieben. Der soziale Umgang, also Konflikt- und Kommunikationsmanagement, wird durch den Betrieb in Form von allmonatlich stattfindenden Tagungen geschult. So erlernt man die Qualitäten und Aufgaben der Storeleitung.

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Was sind deine wichtigsten Tätigkeiten?
Im dritten Lehrjahr ist vor allem die Teamleitungskompetenz bedeutsam, also die fachliche Anleitung und motivierende Funktion. Die ständige Kontrolle ist die Grundlage, damit die Produkte immer die gleiche Qualität haben, egal an welchem Standort. Deshalb ist das Erlernen der Grundstationen, der Umgang mit Lebensmitteln, sehr wichtig.

Kannst du von einem beruflichen Erlebnis berichten, das dich glücklich macht?
Eigentlich macht mich jeder Tag glücklich. Ich habe sehr viel Spaß an meinem Beruf. Die Überarbeitung und Neukreation, bzw. -berechnung der Salate am Ende des zweiten Lehrjahres habe ich in besonders guter Erinnerung, da die Kundenzufriedenheit und damit der Absatz stieg. Die Entwicklung neuer Produkte ist wichtig: alle zwei Monate wird das Produktsortiment durch Aktionen leicht variiert und bei beliebten Produkten sogar erweitert.

Gibt es etwas an deinem Beruf, das du nicht magst?
Als Teamleiter Entscheidungen für das Team zu treffen, kann unangenehm sein. Es kostet manchmal Überwindung, sich gegenüber älteren Kolleginnen und Kollegen durchzusetzen. Aber man kann es nicht allen recht machen und sich im laufenden Betrieb nicht ständig erklären. Die allabendliche Hygienearbeit ist etwas eintönig, aber das ist zu Hause ja nicht anders. In einem Lebensmittelbetrieb ist das nun einmal sehr wichtig.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag in deinem Betrieb aus?
Das ist je nach Lehrjahr und Station verschieden. Als Teamleiter am Morgen kümmere ich mich zunächst um die Kasse, mache dann den Temperaturcheck an Geräten und Lebensmitteln mit Hilfe der Temperaturliste und bin für die Überprüfung und Einteilung der Hygiene und Vorarbeiten und natürlich auch die Kontrolle der Arbeit durch das Team verantwortlich. Vor der Übergabe an die Teamleitung am Abend werden die Verbuchungen kontrolliert.
Das Cash-Management wird durch den Spät-Teamleiter gemacht. Hier sind die Qualitätskontrolle und die Nachkontrolle der Standardhygienearbeiten zentral, bevor die Kolleginnen und Kollegen nach Hause gehen. Außerdem müssen die Fahrten unseres Lieferdienstes abgerechnet werden. Am Ende wird der Kassenabschluss gemacht. Hinzu kommen einmal pro Woche das Schreiben des Dienstplans und der Wareneinkauf.

Was war dein Traumberuf?
In der sechsten Klasse wollte ich Kindergärtner werden.
Die große Verantwortung haben beide Berufe gemeinsam.

Siehst du deinen Beruf eher als Frauen-oder Männerberuf?
Es ist ein für beide Geschlechter geeigneter Beruf. Das schlägt sich auch in der Berufsschule nieder. Hier ist die Geschlechterverteilung ausgeglichen.

Berufe im Video vorgestellt:

Das Video stammt vom BR – Bayerischen Rundfunk/ARD-alpha und wurde uns freundlich zur Verfügung gestellt. Alle Videos des ARD-alpha-Projekts „Ich mach’s!“ findet Ihr hier.

Über Marina Schubert

alter Zugang von Marina Schubert, ms@medienlaborpotsdam.de