Steuerfachangestellter

Ich heiße Paul Schindler, bin 23 Jahre alt und im dritten Ausbildungsjahr zum Steuerfachangestellten in der Steuer- und Rechtsberatungskanzlei Strobel in Potsdam-Babelsberg.

Wie bist du auf diesen Beruf aufmerksam geworden?
Nach meinem 10. Klasse Abschluss fing ich eine Ausbildung als Zerspanungsmechaniker an, die ich aber nach eineinhalb Jahren abbrach. Aber ich wollte weiterkommen und machte mein Fachabitur am OSZ 2 Wirtschaft und Verwaltung in Potsdam. Dort hat mir Rechnungswesen besonders viel Spaß gemacht. Nach meinem Abschluss bin ich über eine Stellenausschreibung auf meine jetzige Ausbildungsstelle aufmerksam geworden und die Aufnahme der Ausbildung klappte reibungslos.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um diesen Beruf zu ergreifen?
Ein Mittlerer Schulabschluss reicht, aber das Fachabitur oder Abitur ist nützlich, da die Inhalte sehr theoretisch sind und oft mit Gesetzen und Verordnungen zu tun haben. Die steuerliche Rechtslage ändert sich ständig. Man sollte daher eine gute Auffassungsgabe besitzen, um auf dem Laufenden zu bleiben. Für den Umgang mit den Mandantinnen und Mandanten ist eine gute Ausdrucksweise wichtig. Hilfreich ist natürlich, wenn man Lust auf Zahlen und Rechnen hat.

Was ist das Spannendste an deinem Beruf?
Ich lerne jeden Tag etwas Neues dazu. Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich – es sind ja auch immer ganz unterschiedliche Mandantinnen und Mandanten. Man muss sich individuell auf sie einstellen und ihnen teilweise „hinterher telefonieren“, wenn zum Beispiel Unterlagen fehlen, die nicht pünktlich eingereicht werden. Schließlich ist es meine Aufgabe, darauf zu achten, dass Fristen eingehalten werden, die zum Beispiel das Finanzamt setzt. Das ist nicht allen klar. Außerdem bietet die Tätigkeit flexible Einsatz- und Entwicklungsmöglichkeiten. Ich kann mir vorstellen, später als Finanzbuchhalter oder Steuerfachwirt zu arbeiten, vielleicht auch in einer Finanzbehörde. Man kann sich sogar bis zum Steuerberater hocharbeiten und sich selbständig machen.

ZKT15_SteuerFA_DSC0104_WEBWas lernt man in der Ausbildung?
In der Berufsschule gibt es relativ viele theoretische Inhalte. Es werden vor allem Rechnungswesen, Steuer- und Wirtschaftslehre, sowie Wirtschaft und Soziales (WiSo) behandelt.
In der Kanzlei bin ich für die Betreuung der Mandanten, die Erstellung der Finanzbuchhaltung und Steuererklärungen, die Vorbereitung von Jahresabschlüssen und normale Bürotätigkeiten, wie den Postein- und ausgang und Bestellungen, zuständig.

Kannst du von einem beruflichen Erlebnis berichten, das dich glücklich macht?
Ich freue mich immer, wenn Kunden Wertschätzung für unsere Arbeit als Steuerfachangestellte zeigen. Das ist zwar nicht allzu oft der Fall, aber dafür umso schöner. Viele wissen eben auch gar nicht genau, welche Aufgaben und welche Mühe dies beinhaltet.

Gibt es etwas an deinem Beruf, das du nicht magst?
Die Abhängigkeit von den Mandanten bezüglich der Fristeinhaltung ist manchmal schwierig, gehört aber dazu. Aber fachlich gesehen macht mir alles Spaß.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag in deinem Betrieb aus?
Jeder Tag folgt einem ähnlichen Ablauf. Man erstellt monatlich die Finanzbuchhaltung. Am 10. jeden Monats wird die Umsatzsteuervoranmeldung an das Finanzamt gesendet. Wir kümmern uns generell viel um Schrift- und Postverkehr. Zum Jahresende geht es dann in die „heiße Phase“, da die Jahresabschlüsse anstehen. Das ist meist ein wenig stressig, aber man lernt auch viel.

Was war dein Traumberuf?
Als Kind hat mich vieles interessiert und Spaß gemacht. Ich war bei der Freiwilligen Feuerwehr und konnte mir das perspektivisch als Beruf vorstellen, habe das dann aber durch Schule und Abitur aus den Augen verloren.

Wer hat dich bei deiner Berufswahl beeinflusst?
Meine Mutter ist Steuerfachwirtin und zwei meiner Tanten sind in der Buchhaltung tätig, insofern prägte mich durchaus meine Familie.

Hattest du Vorbilder?
Ich hatte nie eine einzige Person zum Vorbild. Ich habe mir von Freunden und Verwandtschaft eher selektiv das „Beste“ an Eigenschaften herausgesucht.

Siehst du deinen Beruf eher als Frauen-oder Männerberuf?
Ich würde sagen, in dieser Berufsgruppe ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichen. Beispielsweise ist in der Berufsschule die Geschlechterverteilung 50/50.

Berufe im Video vorgestellt:

Das Video stammt vom BR – Bayerischen Rundfunk/ARD-alpha und wurde uns freundlich zur Verfügung gestellt. Alle Videos des ARD-alpha-Projekts „Ich mach’s!“ findet Ihr hier.

Über Marina Schubert

alter Zugang von Marina Schubert, ms@medienlaborpotsdam.de