Sonderschulpädagoge

Mein Name ist Jan Wendt und ich bin 37 Jahre alt. Nach dem Abitur war ich bei der Bundeswehr, habe mich politisch engagiert und war Stadtverordneter in Potsdam.

Anschließend habe ich mit dem Lehramtsstudium begonnen und mich für den Beruf des Sonderschulpädagogen entschieden.

Wie sind Sie auf den Beruf des Sonderschulpädagogen aufmerksam geworden?
Meine Mutter und mein Stiefvater sind Sonderschulpädagogen. Als kleiner Junge habe ich meine Mutter bei ihren Klassenfahrten begleitet und bin dadurch früh mit Schule und Menschen mit Behinderung in Berührung gekommen.

Was ist das Spannende in Ihrem Beruf?
Jeder Tag bringt neue Erfahrungen und Eindrücke. Kindern helfen zu können, die Fortschritte, die sie in ihrer Entwicklung machen, zu sehen, das ist eine große Freude.

Was sind Ihre wichtigsten Tätigkeiten?
Das Arbeitsfeld reicht vom Unterrichten, wie es jeder kennt, über diagnostische Aufgaben zur Feststellung und Planung der konkret notwendigen Hilfe bis hin zu therapeutischen Tätigkeiten. In der Summe geht es vor allem darum, Mädchen und Jungen mit Beeinträchtigungen so zu unterstützen, dass sie ihr Potential voll ausschöpfen können, sei es ein erfolgreicher Schulabschluss oder sie in die Lage zu versetzen, ihr Leben mit so wenig fremder Hilfe wie möglich zu meistern. Für jedes Kind werden deshalb individuell abgestimmte Ziele formuliert, die dann auch immer wieder hinterfragt und angepasst werden. Wichtig ist es, den Kindern Vertrauen zu sich selbst zu geben

SonderschulpädagogeKönnen Sie von einem beruflichen Erlebnis berichten, das Sie glücklich macht?
Jeder Fortschritt, den ein Kind in seiner Entwicklung macht, ist ein kleiner Erfolg auch meiner Arbeit.

Gibt es etwas, das Sie an Ihrem Beruf nicht mögen?
Ja, Zensuren erteilen, weil es sehr schwer ist, Menschen nach Noten einzuschätzen und das was den Menschen auch ausmacht, nicht in dieses Zensurenraster passt. Außerdem werden Lehrern Fehler nur selten verziehen – dabei sind auch wir nur Menschen.

Welche Empfehlungen würden Sie Ihren Freundinnen und Freunden geben, wenn sie auf der Suche nach ihrem Traumberuf sind?
Ich empfehle auf den »Bauch« oder die »innere Stimme« zu hören und sich nach Möglichkeit in vielen Tätigkeiten auszuprobieren. In größeren Abständen sich selbst zu hinterfragen, ob der eingeschlagenen Weg richtig ist und einem die Befriedigung verschafft, die dann für die eigene Zufriedenheit und Wohlbefinden dienlich sind. Manchmal muss man auch den Mut haben, einen neuen Weg für sich zu finden.

Was war Ihr Traumberuf?
Als Kind wollte ich Offizier werden.

Was mussten Sie tun, um den Beruf zu erlernen?
Voraussetzung für den Beruf ist das Abitur und das Lehramtsstudium. Ständige Weiterbildungen bieten mir die Möglichkeit, meine Kenntnisse aus der Praxis immer wieder mit der Theorie abzugleichen.

SonderschulpädagogeWie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Ich bin verheiratet und habe drei Kinder, da spielt die Familie bei der Freizeitgestaltung eine große Rolle. Wir sind gerne auf dem Wasser paddeln und sind leidenschaftliche Camper. Außerdem engagiere ich mich noch in einer kommunalen Wählergruppe in Potsdam.

Wie haben Sie sich als Kind Ihre berufliche Zukunft vorgestellt?
Eigentlich hatte ich wenig konkrete Vorstellungen. Ich habe jedoch meine Eltern häufig abends noch arbeiten erlebt und war so zumindest auf diesen Teil des Berufes vorbereitet.

Was sagt Ihre Familie zu Ihrem Beruf? Wer hat Sie beeinflusst?
Meine Mutter hatte sicherlich den stärksten Einfluss auf meinen Berufswunsch. Da ich 1989 mein Abitur gemacht habe, also mitten in der »Wendezeit«, fiel es mir zunächst schwer, mich zu orientieren. Deshalb habe ich auch viel Zeit benötigt, um meine Entscheidung für den Beruf des Sonderschulpädagogen zu hinterfragen und immer wieder aufs Neue zu prüfen, ob es die richtige Entscheidung für mich war. Aber heute kann ich sagen, ich bin mit meiner Wahl sehr zufrieden.

Hatten Sie Vorbilder?
Meine Mutter, mein Stiefvater, meine Geschichtslehrerin an der Oberschule und der Klassenlehrer, der uns während des Abiturs begleitet hat.