Schornsteinfegerin

Ich heiße Stephanie Frenk, bin 28 Jahre alt und habe das Ziel, Schornsteinfegermeisterin zu werden. Nach dem Abitur habe ich mich entschlossen, den Beruf der Schornsteinfegerin zu erlernen.

Dabei hatte ich immer das Bedürfnis, mich weiterzuentwickeln. Nun bin ich Gesellin beim Bezirksschornsteinfegermeister Frank Wuttich in Senzig (Landkreis Dahme-Spree).

SchornsteinfegerinWie sind Sie auf den Beruf aufmerksam geworden?
Den Beruf des Schornsteinfegers kennt ja jeder. Die meisten Menschen freuen sich, wenn sie uns treffen. Nachdem ich im Fernsehen eine Aufruf gesehen habe, in dem es um den Beruf des Schornsteinfegers ging, habe ich mir überlegt, dass dieses Berufsbild für mich das richtige ist. Handwerkliche Tätigkeit an frischer Luft gepaart mit dem Wissen um physikalische Gesetze und Umweltschutz – das war genau das Richtige für mich. Bei einem Praktikum hat sich mein Wunsch gefestigt. Beim Bezirksschornsteinfegermeister Wuttich, damals noch in Potsdam, habe ich dann eine Lehrstelle bekommen.

Was mussten Sie tun, um Ihren Beruf zu erlernen?
Obwohl die Bewerberzahl für diesen Ausbildungsberuf nicht sehr hoch ist, musste ich eine Aufnahmeprüfung absolvieren. Neben Grundrechenarten und Physik wurde ich auch auf kommunikative Fähigkeiten geprüft. Minderjährige werden dabei noch auf ihre körperliche Konstitution überprüft. Mathematik und Physik sind wichtig, wenn es darum geht, die Normen an Schornsteinen und Feuerungsanlagen zu prüfen und zu bewerten. Obwohl uns die vielfältigen Messgeräte schon die Arbeit erleichtern, gehört zur Auswertung auch das Wissen um die Funktionsweise von Heizungsanlagen und Verbrennungsprozessen, unabhängig davon, welcher Brennstoff – ob Kohle, Gas oder Öl – verwendet wird. Als Schornsteinfegerin kümmert man sich aber nicht nur um die Heizung und den Schornstein, sondern auch um die Lüftung und den Energiehaushalt des Hauses.

SchornsteinfegerinWas ist bei der Ausübung Ihres Berufes besonders wichtig?
Kommunikationsfähigkeit ist wichtig, weil ich natürlich mit den Menschen, die ich beim Reinigen ihrer Schornsteine besuche, reden muss. In den meisten Fällen freuen sie sich mich zu sehen, auch um manchmal einige Worte über das Leben loszuwerden. Außerdem ist Höhentauglichkeit wichtig, weil ich – egal wie das Wetter ist – den Menschen aufs Dach steige. Aber das ist nur ein Schwerpunkt unserer Arbeit. Wie gesagt, die Kehrarbeiten und das Wissen um die Rechtsgrundlagen sind die eine Seite der Medaille. Die andere Seite sind die Energiedienstleistungen und die Fertigkeit mit neuen Heizungs- und Anlagentechniken. Nachdem ich meine Lehre abgeschlossen hatte, habe ich ein Studium zum International Forest Ecosystem Management an der Fachhochschule Eberswalde angefangen, mit dem Ziel, dieses Semester mit meinem Bachelor abzuschließen. Danach hat sich mein Berufswunsch gefestigt: Ich wollte Schornsteinfegergesellin und später -meisterin werden.

Was ist das Spannende an Ihrem Beruf?
Deutschland ist in Kehrbezirke aufgeteilt, die von den Wirtschaftsministerien in den Bundesländern festgelegt werden. Die Schornsteinfegermeister, die sich um einen Kehrbezirk bewerben, bekommen ihn dann zugeteilt. In unserem Kehrbezirk, im Landkreis Dahme-Spreewald, gibt es überwiegend Siedlungen mit Einfamilienhäusern. Für mich ist die größte Freude, zu klopfen und zu sehen, wer die Tür aufmacht. Die Begrüßung ist dann eigentlich immer positiv. Besonders als Frau hat man es da leichter – Hilfe wird einem vielseitig angeboten, beispielsweise wenn es um das Tragen und Anstellen von Leitern geht. Der Einblick in die vielen menschlichen Charaktere, die Erscheinungsbilder der Menschen und in welchem Umfeld sie leben – das ist schon sehr spannend.

SchornsteinfegerinWas sind Ihre wichtigsten Tätigkeiten?
Messen und kehren und das nicht nur an den Heizungsanlagen, sondern auch an den Lüftungsanlagen. Neben dem traditionellen Anzug mit Kappe oder Zylinder gehören zu unserem Handwerkszeug ein Messkoffer mit entsprechenden Messgeräten für Heizung und Lüftung, eine Kehrleine und ein Rußeimer. In den meisten Häusern sind Leitern vorhanden, allerdings
haben wir auch immer eine Leiter in unserem Auto.

Können Sie von einem beruflichen Erlebnis berichten, das Sie glücklich macht?
Besonders glücklich bin ich, wenn der Winter ein Ende hat und das Wetter wieder besser wird, wenn die Natur erwacht. Von den Dächern in unserer Region hat man dann einen ganz besonders schönen Ausblick über das Land. Ich genieße es aber auch, den Menschen zur Seite zu stehen und mir hier und da die Kümmernisse und Freuden anzuhören. Jedenfalls kann ich mir meine Arbeit sehr selbständig einteilen und das ist für mich von großem Wert.

SchornsteinfegerinGibt es etwas, das Sie an Ihrem Beruf nicht mögen?
Ja, schlechtes Wetter und Temperaturen unter minus 20 Grad.

Welche Empfehlungen würden Sie Ihren Freundinnen und Freunden geben, wenn sie auf der Suche nach ihrem Traumberuf sind?
Entscheidungen nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herz und dem Bauch zu treffen. Wichtig ist, die Herausforderungen, die sich im Leben stellen, anzunehmen und zu bewältigen. In Praktika und Unternehmens- besuchen kann man sich relativ schnell einen Einblick in den Alltag eines Unternehmens bzw. einer Berufsgruppe verschaffen.

SchornsteinfegerinWas war Ihr Traumberuf?
Astronautin, Bergsteigerin… jedenfalls wollte ich immer in Bewegung sein, möglichst an frischer Luft und nicht im Büro sitzen. Allerdings muss ich sagen, dass ein großer Teil der Arbeitszeit eine Schornsteinfegermeisterin sich auch am Schreibtisch abspielt. Denn wir führen genaustens Buch über jede einzelne Heizungsanlage in unserem Kehrbezirk, sodass man auch nach Jahren die sich verändernden Werte an den Anlagen besser bewerten und die Besitzer auf den Ist-Stand ihrer Anlage ansprechen kann.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Lesen, zeichnen, reisen und Sport treiben sind meine Lieblingsbeschäftigungen. Zurzeit treten sie in den Hintergrund. Vorrangig beschäftigt die Meisterschule mein Leben.

Was sagt Ihre Familie zu Ihrem Beruf? Wer hat Sie beeinflusst?
Meine Familie hat mich immer in meinem Berufswunsch bestärkt und freut sich mit mir über meine Arbeit.