Psychologe | Motologe

Mein Name ist Dr. J. Lemmer Schmid und ich bin 35 Jahre alt. Ich bin Psychologe sowie Motologe (Psychomotoriker) und arbeite als Psychotherapeut in einem Krankenhaus mit psychisch kranken Erwachsenen sowie auf einer Kinderstation.

Freiberuflich habe ich eine mobile Familienberatungspraxis und bin Supervisor im Netzwerk „Gesunde Kinder Brandenburg“.

PsychologeWie sind Sie auf Ihre Berufsausbildung aufmerksam geworden?
Während meines Psychologie-Studiums in Marburg hatte ich eine Mitbewohnerin, die Motologie studierte. Sie erklärte mir, dass Motologie eine Wissenschaft ist, welche das Zusammenspiel von Körper, Geist und Bewegung erforscht. Die Motologie stellt sich die Frage, wie können durch körper- und bewegungsorientierte Erfahrungssituationen Entwicklungs- und Heilungsprozesse von Kindern, Erwachsenen und Senioren gefördert werden.

Was ist das Spannende in Ihrem Beruf?
Psychotherapie und auch die Praxis der Motologie lässt sich nicht nach einem eindeutigen Schema Schritt für Schritt „ab-arbeiten“. Jede Einheit ist eine Entdeckungsreise voller Unvorhersehbarkeiten.
Nur wenn ich mich wirklich auf den Augenblick einlasse, kann ich meinem Gegenüber begegnen und unterstützend begleiten. Hierfür muss ich mich immer wieder von meinen eigenen Vorstellungen freimachen. Das erfordert die Bereitschaft, auch von seinen Klienten lernen zu wollen. Es ist beeindruckend, wie viel Leid ein Mensch ertragen und wie viel Lebensmut und -kraft er aktivieren kann, um immer wieder aufzustehen, nach vorne zu blicken und weiter zu gehen.

PsychologeWas sind Ihre wichtigsten Tätigkeiten?
Meines Erachtens ist die wichtigste Aufgabe eines Psychotherapeuten/Motologen eine annehmende, wertschätzende und offene Atmosphäre zu kreieren in der echte Begegnungen und dadurch auch inneres Wachstum ermöglicht werden. Die Tätigkeit in einer Psychiatrie erfordert jedoch auch eine gründliche psychologische Diagnostik des jeweiligen Anliegens der Klienten, um gemeinsam realistische Therapieziele zu definieren. Des Weiteren muss der Therapieprozess dokumentiert und zum Abschluss in einem Bericht zusammengefasst werden.

PsychologeKönnen Sie von einem beruflichen Erlebnis berichten, das Sie glücklich macht?
Mich macht es glücklich dabei zu sein, wenn Menschen anfangen ihre Stärken zu entdecken und neue Erfahrungen sammeln, wie sie eigenständig ihre Lebensqualität steigern können. Mich macht es glücklich, wenn ich erlebe wie Menschen lernen über sich selbst zu lachen, wenn ihnen etwas Peinliches passiert ist oder ihnen das Schicksal mal wieder einen Streich gespielt hat. Mich macht es glücklich, wenn ich Menschen bei einer Verabschiedung weinen sehe, weil sie sich während des Klinikaufenthalts nahe gekommen sind und am Anfang einer neuen tiefgreifenden Freundschaft stehen. Mich macht es am meistens glücklich, wenn ich mit Alt oder Jung ins Spielen komme, meinen Körper spüre und gemeinsam mit ihnen in einen zeit- und sorgenfreien Raum eintauchen kann.

Gibt es etwas, das Sie an Ihrem Beruf nicht mögen?
Im Moment fällt es mir noch manchmal schwer mich von meiner Arbeit abzugrenzen. Nach einem intensiven Tag habe ich abends oft keine Lust mehr, mich mit irgendjemand zu unterhalten. Das finde ich sehr gefährlich, denn schließlich will ich nur arbeiten, um zu leben und nicht umgekehrt.

Was war Ihr Traumberuf?
Eigentlich wollte ich Priester werden, aber nur solange bis ich alt genug war, um zu verstehen was das Wort „Zölibat“ bedeutet. Dann war mir schon ziemlich früh klar, dass ich Therapeut werden will.

PsychologeWas mussten Sie tun, um den Beruf zu erlernen?
Nach meinem Abitur mit den Leistungskursen Pädagogik und Mathematik habe ich Psychologie studiert. Anschließend habe ich eine Ausbildung zum kognitiven Verhaltenstherapeuten gemacht und gleichzeitig den Promotionsstudiengang „Motologie“ absolviert. Das war zwar sehr interessant aber auch ziemlich anstrengend. Unter der Woche musste ich unter Supervision Patienten behandeln und an der Uni lehren und lernen. Zusätzlich hatte ich dann noch fast jedes zweite Wochenende Therapie-Ausbildungs-Seminare.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?
Wenn ich genug Energie habe, gehe ich am liebsten Kontakt-Improvisation oder Tango tanzen. Vor kurzem habe ich mit Improvisations-Theater angefangen, dass bringt mich viel zum Lachen und macht den Kopf frei. Wenn ich ehrlich bin liege ich aber auch sehr gerne nach einem langen Arbeitstag einfach nur auf meiner Fensterbank und „chille“.

Was sagt Ihre Familie zu Ihren Berufsziel?
Was meine Familie genau zu meinem Berufsziel sagt, weiß ich nicht. Ich glaube sie sind gespannt, wie sich mein Berufsleben weiterentwickeln wird. Als Psychologe gibt es sehr viele unterschiedliche Arbeitsmöglichkeiten, sei es im Bereich Forschung, Wirtschaft oder Soziales.

PsychologeHatten Sie Vorbilder? Wer hat Sie beeinflusst?
Mein Onkel Bill ist ein sehr erfolgreicher Manager und Krawattenträger. Immer wenn wir ihn im Sommer besucht haben hat er erst mal meine Eltern in ein Museum geschickt, um mit uns Kindern ausgiebig toben und spielen zu können. Beeindruckt hat mich, wie viel Spaß er selbst dabei hatte. Er hat mir gesagt, dass es wichtig ist seine Ziele hoch zu stecken, sein Bestes zu geben und dabei den größtmöglichen Spaß zu haben. Diese Familienurlaube – das Zusammensein mit meinen Eltern, Geschwistern, Cousinen, meinem Cousin, meiner Tante und Onkel sowie meinen Großeltern – haben mich immer sehr glücklich gemacht und mir ein Gefühl von Verbundenheit gegeben. Vielleicht bin ich auch deswegen Familientherapeut geworden, um möglichst vielen Menschen eine solche Erfahrung zu ermöglichen.