Leutnant Bundeswehr

Mein Name ist Maxi Thomas. Ich bin 27 Jahre alt und bei der Bundeswehr im Logistikbataillon 172  in Beelitz als Offizier für eine Transportabteilung mit 60 Soldaten verantwortlich.

Wie sind Sie auf die Bundeswehr aufmerksam geworden?
Ich bin seit 2008 Soldat und damals durch mein privates Umfeld auf die Bundeswehr aufmerksam geworden. Die vielen Facetten und Möglichkeiten des Berufsfeldes Soldat waren ausschlaggebend für meine Entscheidung.

Wie startet man?
In der Bundeswehr wird, abhängig von der gewählten Laufbahn im einfachen, mittleren oder gehobenen Dienst, eine auf das spätere Tätigkeitsfeld bezogene mehrjährige Ausbildung absolviert. Für mich war dies als Offizier im gehobenen Dienst nach der Grundausbildung eine neunmonatige Ausbildung an der Offiziersschule in der Nähe von München. Dabei erlernte ich das Handwerkszeug für den Dienst als militärischen Vorgesetzter. Neben allgemeinen militärischen Grundlagen wie Geländedienst oder Sportausbildung  absolvierte ich dabei ein Führungskräfte-Entwicklungsprogramm mit den Schwerpunkten Mitarbeiterführung, Personalwesen, Recht sowie Projektmanagement. Danach folgte bei mir die spezifische logistische Fachausbildung im Transportwesen an der Logistikschule der Bundeswehr bei Bremen, welche mich fachlich für meine jetzige Tätigkeit, die ich seit 2012 ausübe, intensiv vorbereitete.

Gibt es formale Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen?
Um Offizier in der Bundeswehr werden zu können, muss ich entweder die mittlere Reife und einen Berufsabschluss  nachweisen oder alternativ über ein Abitur/Fachabitur verfügen. Zunächst gilt es jedoch den Einstellungstest an der Prüfzentrale in Köln positiv zu bestehen. Dort werden neben Prüfungen in Mathematik, Logik und Rhetorik auch die körperliche Fitness, die persönliche Eignung sowie die Motivation zum Soldatenberuf getestet. Im anspruchsvollen Berufsfeld des Offiziers sollte man kommunikativ, intelligent, organisiert und zuverlässig sein, denn die Anforderungen sind bereits in jungen Jahren hoch und verantwortungsvoll.

Wie wird man Berufssoldatin?
Berufssoldaten können grundsätzlich nur Feldwebel oder Offiziere werden. Zunächst gilt es die Lehrgänge sehr gut zu absolvieren und sich im Anschluss im militärischen Alltag in verschiedenen Aufgabenbereichen zu bewähren. Dabei sind die erbrachte Leistung, die persönliche Eignung und die menschliche Befähigung ausschlaggebend. Nach dem Übernahmeantrag findet ein spezielles Auswahlverfahren durch eine unabhängige Kommission in Köln statt, welche über eine mögliche Übernahme entscheidet.

Was ist das Spannende an Ihrem Beruf?
Kein Tag ist wie der Andere. Als Offizier bin ich Fachkraft und Vorgesetzter zugleich. Verantwortung für Menschen zu tragen, persönliche Gestaltungsmöglichkeiten und sich ändernde Aufgabenstellungen fordern jeden Tag meinen Einsatzwillen und Engagement. Dies kann von der Fachausbildung meiner Soldaten, über den Hochwassereinsatz bis zum Auslandseinsatz alles beinhalten. Gerade die Arbeit für und mit Menschen, sowie der Aspekt, dass man im Team alles erreichen kann, sind für mich jeden Tag auf Neue spannend. Als Offizier bin ich Führungskraft und Gestalter meines Aufgabenbereiches.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Von einem typischen Arbeitstag kann ich in meinem Berufsfeld nicht sprechen. In Beelitz bin ich normalerweise von 07:00 bis 16:30 Uhr im Dienst. Dies kann sich bei Sondervorhaben wie Übungen oder speziell dem Auslandseinsatz aber auch bei Bedarf  in einen 24 Stunden Tag ausweiten. Im Schwerpunkt bin ich für die Planung und Organisation von deutschlandweiten Transporten verantwortlich, wobei im Rahmen des  Projektmanagements auch Aufgaben in sämtlichen Bereichen anfallen können.

Gibt es etwas, das Sie in Ihrem Beruf glücklich macht?
Es sind die kleinen Dinge, die das Gesamte ausmachen. Wenn ich beobachten kann wie Soldaten sich bei Herausforderungen bewähren und entwickeln, wir gemeinsam anfangs schier unüberwindbare Hürden meistern und zum Erfolg kommen, dann macht mich das stolz auf meine Arbeit und meine Soldaten.

Die gemeinsamen Erlebnisse, welche es aus meiner Sicht bei der Bundeswehr wie in keinem anderen Berufsfeld gibt, erzeugen ein unwahrscheinliches Teamgefühl. Gemeinsam ist alles möglich.

Gibt es Aspekte Ihres Berufes, die Sie gar nicht mögen?
Nein. Beim Soldatenberuf gibt ist es sicherlich wie bei jeden anderen Beruf auch Licht und Schatten. Es ist mit Sicherheit nicht einfach, wenn man versetzt wird und einen Dienstposten an einem neuen Standort antreten muss. Bisher hatte ich das Problem noch nicht, kommt aber früher oder später auch auf mich zu.

Was war früher Ihr Traumberuf?
Ich habe nach dem Abitur begonnen Pädagogik zu studieren und das hätte ich mir auch gut vorstellen können. Aber nachdem ich einmal Soldat war, gab es für mich auch keine Alternative mehr. Das ist eindeutig das Richtige für mich.

Haben Sie Vorbilder?
Ich habe immer wieder Vorgesetzte getroffen, an denen ich mich orientieren konnte und kann. Dann versuche ich mir die positiven Eigenschaften anzunehmen um mich selbst weiterzuentwickeln. Von einem ganz konkreten Vorbild kann ich aber nicht sprechen.

Würden Sie sagen, es ist ein typischer Männerberuf?
Prozentual sind wir Frauen bei der Bundeswehr mit ca. 10 Prozent noch deutlich in der Unterzahl, die Tendenz ist aber steigend. Für mich ist es aber kein typischer Männerberuf. Die Laufbahn der Offiziere ist für Frauen genauso geschaffen, wie für Männer. Es kommt nicht darauf an wer man ist, sondern was man leisten kann und will und wie man zu überzeugen weiß. In einigen Bereichen können Frauen das vielleicht sogar besser als Männer.

 

* Bei der deutschen Bundeswehr gibt es nur männliche Berufsbezeichnungen.

Über Marina Schubert

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