Feuerwehrfrau

Mein Name ist Anja Rosenbaum und zurzeit arbeite ich als Lehrrettungsassistentin und Feuerwehrfrau bei der Berufsfeuerwehr Potsdam. Vorher habe ich in Halle eine Ausbildung zur medizinischen Dokumentationsassistentin gemacht.

FeuerwehrfrauWie sind Sie auf Ihre Berufsausbildung aufmerksam geworden?
Ich habe in Halle meine Ausbildung gemacht, habe dort aber keinen Job gefunden. Ich bin damals ehrenamtlich für das Deutsche Rote Kreuz gefahren und war deutschlandweit auf Arbeitssuche. Im Internet habe ich gelesen, dass eine Krankheitsvertretung in Potsdam gesucht wird. Darauf habe ich mich beworben. Ich war vorher schon in Halle bei der Freiwilligen Feuerwehr als Feuerwehrfrau und Jugendgruppenleiter aktiv. Es war einfach Zufall.

Was mussten Sie tun, um den Beruf zu erlernen?
Voraussetzung für den mittleren technischen Dienst ist eine handwerkliche Berufsausbildung oder eine Ausbildung als Rettungsassistent. Das ist der einzige Beruf, der nicht handwerklich ist, aber noch anerkannt wird. Mit dieser Ausbildung kann man sich bewerben und den Einstellungstest absolvieren.

Der Einstellungstest besteht aus einem schriftlichen und einem Sporttest. Dort muss man mit einem Pressluftatmer auf dem Rücken durch eine Übungsstrecke durch. Für Frauen und Männer gelten dabei genau dieselben Anforderungen. Frauen müssen die gleichen Gewichte stemmen wie die Männer, sie müssen die gleiche Zeit haben beim Laufen – da wird also kein Unterschied gemacht. Und dann gibt es natürlich noch das persönliche Auswahlverfahren, also das Vorstellungsgespräch.

FeuerwehrfrauWas ist das Spannende in Ihrem Beruf und was sind die wichtigsten Tätigkeiten?
Man weiß immer nicht, was es für ein Einsatz ist. Es wird uns zum Beispiel gesagt „Verkehrsunfall“. Es kann eine Ölspur, aber auch eine eingeklemmte Person sein, bei der wir dann auch die Spreizer-Schere benutzen müssen, um sie rauszuholen. Es ist breit gefächert, worauf man sich einstellen kann. Man muss zum Beispiel wissen, wie man Brände löscht, wie man Sachen hebt, spreizt, schiebt oder wie man auch mit gefährlichen Gütern – Stoffen wie z.B. Säuren oder Laugen – umgeht.

Die Feuerwehr zusammen besteht sowohl aus Rettung als auch aus Feuerwehrfahren. Da ich hauptsächlich Lehrrettungsassistentin bin, ist es für mich mehr die Rettung, die ich fahre. Am Tag ist Rufarbeit wie Fahrzeugpflege, Pflege von feuerwehrtechnischen Geräten, Ausbildung und dann eben auch Rausfahren zu den Einsätzen.

Können Sie von einem beruflichen Erlebnis berichten, das Sie glücklich macht?
Stolz macht es einen, wenn man zum Beispiel im Rettungsdienst erfolgreich ist. Zum Beispiel eine Geburt. Eine Hausgeburt, bei der wir es nicht mehr in die Klinik hinein schaffen und alle funktioniert. Das ist ein Highlight. Davon zehren alle Kollegen, nicht nur wir Frauen, sondern auch die Männer. Das ist wirklich toll. Oder man hat jemanden wiederbelebt und nach 14 Tagen oder drei Wochen spricht er mit uns und bedankt sich für alles. Das ist ein Highlight für den Rettungsdienst.

FeuerwehrfrauWas war Ihr Traumberuf? Wie haben Sie sich als Kind Ihre berufliche Zukunft vorgestellt?
Ich wollte eigentlich zur Polizei, weil meine ganze Familie aus Polizisten besteht. Da ich jedoch ein bisschen zu klein geraten und in Deutsch für die Polizei nicht gut genug war, habe ich mit 16 ein Schülerpraktikum beim Rettungsdienst gemacht. Das hat mich sehr interessiert und seitdem wollte ich unbedingt Rettungsassistent werden. Es war dann Zufall, dass die Feuerwehr noch dazugekommen ist.

Wer hat Sie bei Ihrer Berufswahl beeinflusst?
Meine Mutter hatte mir Bescheid gegeben, dass es eventuell auch die Möglichkeit geben würde, im Rettungsdienst ein Praktikum zu machen.

Hatten Sie Vorbilder?
Meinen Lehrrettungsassistent damals in Halle. Ich wollte immer genauso werden wie er. Bei dem dachte ich mir immer – der macht es genau richtig. Der ist akkurat, der ist immer freundlich, immer alles toll. So möchte ich sein und da halte ich mich auch immer noch dran. Das habe ich dann in meinem Hinterkopf auch immer klingeln, wenn ich mal schlechte Laune habe. Mein Wachleiter ist auch ein Vorbild. Ich hab ihn kennengelernt da war er ziemlich streng. Er ist sehr akkurat, er ist aber auch sehr fair. Ich möchte auch fair sein zu jedem, aber auch meine Linie fahren.

Würden Sie den Beruf Feuerwehrfrau für junge Frauen weiterempfehlen?
Ich würde es weiterempfehlen, aber nur für diejenigen, die es wirklich machen wollen. Feuerwehrfrau und Rettungsassistentin sind nicht für jede Frau etwas. Da muss man fit sein und man muss auch mit den Männern zurechtkommen. Die Männer auf meiner Wachabteilung sind alle total nett. Wir sind drei Frauen auf unserer Wachabteilung und wir werden alle akzeptiert und respektiert. Wie eine Frau, die zur Polizei oder zur Bundeswehr geht, muss man sich auch darüber im Klaren sein, dass man körperlich gefordert wird.