Brauerin | Mälzerin

Mein Name ist Giana und ich absolviere seit eineinhalb Jahren eine Ausbildung zur Brauerin und Mälzerin in der Braumanufaktur Forsthaus Templin.

Brauerin_1 Wie bist du auf diesen Beruf aufmerksam geworden?
Zunächst arbeitete ich nach dem Schulabschluss mehrere Jahre als Physiotherapeutin und machte eine Ausbildung im Bereich Sportphysiotherapie, die auch Ernährungslehre beinhaltete. Das bereitete mir viel Spaß und mein Interesse an der Ernährungsproduktion war geweckt.
Schon früher nahm mein Vater uns Kinder im Urlaub zu Brauereiführungen mit. Als Physiotherapeutin habe ich in verschiedenen Ländern gearbeitet und diese „Tradition“ alleine fortgeführt. Eines Tages kam mir bei einer dieser Besichtigungen die Idee, dass Brauer/-in und Mälzer/-in ein cooler Beruf ist. Daraufhin habe ich im Internet recherchiert und die Informationsbücher der Agentur für Arbeit gelesen.
Als ich mich dazu entschloss, die Ausbildung zu machen, bewarb ich mich in ganz Deutschland und nutzte die Grüne Woche, um direkten Kontakt zu den dort vertretenen Brauereien aufzunehmen. Da habe ich meinen jetzigen Chef direkt angesprochen und zwei Wochen später nahm ich an der Brauereiführung der Braumanufaktur Forsthaus Templin teil, um zu zeigen, dass es mir ernst ist mit dem Berufswechsel. Zwei Wochen später begann ich ein Praktikum und unterschrieb schließlich den Ausbildungsvertrag.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um diesen Beruf zu ergreifen?
Die Ausbildung kann ab einem mittleren Schulabschluss, der mittleren Reife, bzw. dem Realschulabschluss begonnen werden. Bei den meisten Brauereien muss man einen Einstellungstest bestehen. Dieser zielt meist auf die Allgemeinbildung, sowie Kenntnisse in Mathematik und Deutsch ab.

Was ist das Spannendste an deinem Beruf?
Für mich war das Spannendste, das erste Mal alleine an der Sudpfanne (Brautag) zu stehen und zu brauen. Da hat man eine riesige Verantwortung, denn wenn der Sud schlecht ist, führt das zur Fehlproduktion und somit zum Verlust von bis zu 40 hl Sud. Das „Brauen im Alleingang“ ist bei uns in der Brauerei schon im ersten Lehrjahr möglich, was eine Besonderheit zu anderen großen Betrieben darstellt. Das geht natürlich nur nach einer guten Vorbereitung und wenn der Lehrausbilder das einem zutraut.

Was sind deine wichtigsten Tätigkeiten?
Der Sudtag, also Brautag, ist natürlich der wichtigste Bestandteil unseres Berufs, denn ohne Brauen gibt es auch kein Bier. Dabei ist viel Konzentration gefragt und man muss immer präsent sein. Aber auch die Kontrolle der Zutaten ist nicht zu vernachlässigen. Wir brauen Bio-Bier, daher müssen die Rohstoffe lückenlos aus biologischem Anbau stammen. Auch die Reinigungsmittel unterscheiden sich dadurch von denen konventioneller Brauereien. Neben dem Brauen muss immer auf Sauberkeit geachtet werden. Das bedeutet, dass man neben dem Ansetzen des Suds die Tanks reinigt.

Kannst du von einem beruflichen Erlebnis berichten, das dich glücklich macht?
Mein erstes alleine gebrautes, abgefülltes Bier, dessen Produktion ich vom Malzkorn (Rohstoff) bis zur Verköstigung (durch die Kunden) verfolgt habe. Quasi vom ersten bis zum letzten Schritt. Es war sehr aufregend, die positive Reaktion der Kunden zu sehen und machte mich sehr stolz.

Gibt es etwas, das du an deinem Beruf nicht magst?
Wir stellen Lebensmittel her, daher wird Sauberkeit und Hygiene natürlich großgeschrieben. Es fällt viel Reinigungsarbeit an. Man steht fast immer im Wasser. Nässe sollte man also gut abkönnen und Kälte: im Gärkeller und in der Abfüllhalle ist es immer kalt. Am Abfülltag verbringt man sogar einen ganzen Tag in der Abfüllhalle und im Gärkeller bis zu vier Stunden am Stück. Des Weiteren sollte man sich auf körperliche Anstrengung einstellen, wenn man sich für diesen Beruf entscheidet. Das Malz wird beispielsweise in 50 kg Säcken geliefert.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag in deinem Betrieb aus?
Das ist von Produktionsschritt zu Produktionsschritt verschieden. Jeden Morgen wird besprochen, was zu tun ist und danach das Team eingeteilt. Dabei bleibt der Kreislauf aus Brau-, Abfüll- und Reinigungstag, immer bestehen. Generell haben Brauer und Brauerinnen einen Arbeitstag von 8 Stunden, normalerweise von 7.30 Uhr bis 16 Uhr.
Am Abend vor dem Brautag bereitet man die Sudpfanne vor. Am Brautag wird geschrotet und wir bereiten die Würze mit Hilfe des eineinhalb bis zweistündigen Maischprogramms vor. Am Abfülltag müssen die Maschinen schon Stunden vor dem eigentlichen Abfüllen hochgeheizt werden. Und auf den Abfülltag folgt immer der Reinigungstag.
Alles in allem ist der Arbeitsalltag sehr abwechslungsreich.

Was war dein Traumberuf?
Als Kind haben meine Traumberufe ständig gewechselt. Einmal wollte ich zum Beispiel Hundeführerin bei der Polizei werden, Hauptsache: aufregend.

Wer hat dich bei deiner Berufswahl beeinflusst?
Meine Mutter brachte mich aufgrund meiner Sportlichkeit auf die Idee, Physiotherapeutin zu werden. Diesen Beruf übte ich schließlich einige Jahre aus, bis ich mich beruflich umorientierte.
Zu Letzterem hat mein Vater – wenn auch indirekt – maßgeblich beigetragen: Er nahm mich zu Brauereiführungen mit, als ich noch ein Kind war.

Hattest du Vorbilder?
Für beide Berufe hatte ich keine konkreten Vorbilder, daher war es anfangs auch schwierig, Fuß zu fassen. Deshalb würde ich Schülerinnen und Schülern raten, immer erst ein Praktikum zu machen. So kann man Kontakte knüpfen, die einem möglicherweise die Tür zu einem Ausbildungsbetrieb öffnen.

Siehst du deinen Beruf eher als Frauen- oder als Männerberuf?
Der Beruf Brauer/-in und Mälzer/-in ist klassischerweise männerdominiert. Ich persönlich fühle mich jedoch sehr gut in die Brauereigemeinschaft aufgenommen. Das merke ich vor allem zu Brauereimessen. Generell kann man von einem Wandel im Brauereiwesen sprechen, da immer mehr Frauen diesen Beruf ergreifen.

Berufe im Video vorgestellt:

Das Video stammt vom BR – Bayerischen Rundfunk/ARD-alpha und wurde uns freundlich zur Verfügung gestellt. Alle Videos des ARD-alpha-Projekts „Ich mach’s!“ findet Ihr hier.

Über Marina Schubert

alter Zugang von Marina Schubert, ms@medienlaborpotsdam.de