Bäckerin

Mein Name ist Sabrina Scheel, ich bin 20 Jahre alt und arbeite als ausgebildete Bäckerin in der Bäckerei „Ihre kleine Backstube Bergholz“ in Nuthetal bei Potsdam. Momentan absolviere ich zusätzlich die Ausbildung zur Konditorin.

ZKT15_Baeckerin_DSC0043_WEBWie bist du auf diesen Beruf aufmerksam geworden?
Es hat mir schon immer viel Spaß gemacht, zu backen. In unserer Schule gab es oft Kuchenbasare. Meine Lehrerin ermutigte mich häufig dazu, diese Basare zu organisieren und natürlich dafür zu backen. Also bewarb ich mich nach dem Abschluss der Gesamtschule für einen Ausbildungsplatz als Bäckerin. Zunächst war ich nicht sicher, ob ich Bäckerin oder Konditorin lernen möchte. Daher machte ich zunächst ein dreitägiges Praktikum in dieser wunderbaren Bäckerei in Nuthetal und entschied mich schließlich für die Ausbildung zur Bäckerin.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um diesen Beruf zu ergreifen?
Die Ausbildung ist ab einem Hauptschulabschluss möglich. Auch ein Gesundheitspass ist erforderlich. Man sollte innovativ und kreativ sein und Lust haben, Neues auszuprobieren. In unserem Betrieb wird großer Wert auf neue Ideen und Rezepturen gelegt, das Sortiment wird ständig variiert und erweitert. Aber der Beruf ist nichts für Morgenmuffel. Man sollte also kein Problem damit haben, früh aufzustehen.

ZKT15_Baeckerin_DSC0070_WEBWas ist das Spannendste an deinem Beruf?
Brot zu backen finde ich spannend, da man aus einem Grundteig mindestens fünf verschiedene Brotsorten herstellen kann, beispielsweise durch die Zugabe von Nüssen, Möhren, Kartoffeln, Hartkäse oder Trockenobst. Unser Betrieb bietet täglich zwölf Sorten Brot an. Durch den täglichen Wechsel gibt es bei uns insgesamt etwa 60 unterschiedliche Sorten.
Gut zu wissen ist auch, dass das deutsche Backhandwerk international sehr anerkannt und gefragt ist. Das bedeutet, dass auch während der Ausbildung die Möglichkeit besteht, zwei bis dreiwöchige Auslandspraktika zu machen.

Was lernt man in der Ausbildung?
Generell ist die Ausbildung nach Alter der Azubis und den Lehrjahren strukturiert. Im ersten Jahr steht die Teigherstellung im Mittelpunkt, im zweiten sind es Massen (Cremes, Füllungen, etc.) und im dritten Lehrjahr dann die technischen Feinheiten und Kniffe, wie zum Beispiel die Fertigung von Blätter- und Plunderteig. Brot dürfen nur die volljährigen Auszubildenden herstellen, denn es wird meist nachts produziert – da muss der Jugendschutz beachtet werden.
In der Berufsschule dagegen liegt das Hauptaugenmerk eher auf der Theorie: Mathematik (Mengenverhältnisse ausrechnen) und Lebensmittelkunde sind sehr wichtig.

Kannst du von einem beruflichen Erlebnis berichten, das dich glücklich macht?
Die Marktarbeit macht mir besonders viel Freude, da man hier den direkten Kontakt zu den Kunden hat. Im Laden haben die Azubis weniger im Verkauf, sondern eher in der Produktion in der Backstube zu tun, daher genieße ich es besonders, den Kunden unser Handwerk nahe zu bringen und zum Beispiel Schaubrote zu backen. Und es freut mich immer, wenn das Selbstgebackene gut bei den Kundinnen und Kunden ankommt. Das ist eine tolle Bestätigung für die eigene Arbeit.

ZKT15_Baeckerin_DSC0034_WEBGibt es etwas an deinem Beruf, das du nicht magst?
Nein eigentlich nicht, ich habe mich ja bewusst für diesen Beruf entschieden. Allerdings musste ich mich anfangs daran gewöhnen, früh aufzustehen. Dies ging jedoch relativ schnell. Mein Freundeskreis musste sich erst daran gewöhnen, dass sich mein Tagesrhythmus von ihrem unterscheidet und ich leider nicht bei allen Freizeitaktivitäten dabei sein kann.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag in deinem Betrieb aus?
In der Spätschicht (23 Uhr bis 7 Uhr des Folgetages) wird zuerst geschaut, was auf dem Produktionsplan steht. Anschließend werden die Teige ausgerechnet und angesetzt. Zuerst werden die Kuchen, dann die Brote und Brötchen vorbereitet, auf Gare gestellt, bzw. gebacken.
Die Frühschicht (4 Uhr bis 12 Uhr) stellt die Produktion fertig und bereitet weitere Teige für die Tagesproduktion vor, unter anderem für Kekse und Plundergebäck.
In der Laden-/Verkaufsschicht (12 Uhr bis 18 Uhr) werden die Backwaren verkauft und bei Bedarf nachgebacken. Das gehört jedoch nicht zu den Aufgaben der Auszubildenden.

Was war dein Traumberuf?
Ich wollte schon als Kind Bäckerin oder Konditorin werden.

Wer hat dich bei deiner Berufswahl beeinflusst?
Zuhause wird bei uns gerne und oft gebacken. In meiner Verwandtschaft gibt es sogar fünf Bäckerinnen und Bäcker. Ich denke, dass auch dadurch mein Interesse für den Beruf entzündet wurde. Aber im Grunde hat mich meine Lehrerin durch ihre Ermutigung dazu gebracht, meinen Traum zu verwirklichen.

Siehst du deinen Beruf eher als Frauen-oder Männerberuf?
Als Männerberuf, da die Arbeit körperlich sehr anstrengend ist. Da wir mit 50 kg schweren Mehlsäcken arbeiten, gibt es sogar eine geregelte Tragelast für Frauen: Tragen dürfen wir bis zu 12 kg, kurz anheben nicht mehr als 25 kg.
Ich fände es aber schön, wenn sich mehr Frauen für diesen Beruf entscheiden würden. Übrigens gibt es auch Betriebe, in denen nur tagsüber produziert wird. So steht auch einer Familienplanung nichts im Wege.

Berufe im Video vorgestellt:

Das Video stammt vom BR – Bayerischen Rundfunk/ARD-alpha und wurde uns freundlich zur Verfügung gestellt. Alle Videos des ARD-alpha-Projekts „Ich mach’s!“ findet Ihr hier.

Über Marina Schubert

alter Zugang von Marina Schubert, ms@medienlaborpotsdam.de