Altenpfleger

Ich heiße Tobias Schulz, bin 24 Jahre alt und mache seit zwei Jahren eine Ausbildung zum Altenpfleger an der AWO Akademie in Potsdam. Meine praktische Ausbildung mache ich im Seniorenzentrum Havelpark in Zehdenik.

Wie bist du auf diesen Beruf aufmerksam geworden?

Durch meine Eltern und meine Oma. Auch habe ich mich immer schon für ältere Menschen interessiert und wollte mit ihnen zusammenarbeiten.


Was ist das spannendste am Beruf des Altenpflegers?

Es ist wirklich schön, die Leute und ihren Charakter zu erleben, wie sie so sind, in ihrer Einzigartigkeit. Aber auch das Zusammenspiel ist spannend. Es wird nie langweilig, weil jeden Tag etwas anderes passiert.

Was sind deine wichtigsten Tätigkeiten?

Am wichtigsten ist die morgendliche Grundpflege der zu Pflegenden, weil sich ja jeder in seinem Körper wohlfühlen muss. Die tägliche Kommunikation mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ist aber genauso wichtig.

Gibt es ein besonders schönes Erlebnis, das dich glücklich gemacht hat?

Ja. Eine Bewohnerin hat sich morgens immer mit ihrem Vornamen vorgestellt. Ich habe immer geantwortet, dass ich Tobias bin. Nun ist sie leider dement und kann sich folglich nicht mehr viel merken. Als ich dann aber nach vier Wochen Schule morgens wieder herein kam, hat sie mich plötzlich mit meinem Vornamen begrüßt. Das war ein tolles Gefühl.

Wie sieht ein typischer Tag als Altenpfleger aus?

Der Frühdienst beginnt um 6.30 Uhr mit der Übergabe von der Nachtschicht. Dann folgt die Körperpflege der zu Pflegenden und danach werden die Bewohnerinnen und Bewohner zum Essplatz begleitet. Dort wird das Frühstück vorbereitet (geschnitten) an den Platz gestellt oder gereicht. Nach dem Frühstück schaue ich durch die Zimmer und erledige behandlungspflegerische Aufgaben, wie z.B. Injektionen, Verbandswechsel, Verabreichen von Sondernahrung und dokumentiere die durchgeführten Maßnahmen. Danach gibt es schon Mittagessen. Anschließend werden die Bewohnerinnen und Bewohner zu Bett gebracht, die müde sind und dann folgt mehr Zeit für Dinge wie die Dokumentation, Reinigungsarbeiten oder etwas nachlesen. Wenn die Bewohnerinnen und Bewohner ausgeschlafen haben, gibt es Kaffee und danach habe ich Feierabend. Das ist so um halb vier.

Was war dein Traumberuf?

Als Kind wollte ich zur Berufsfeuerwehr. Das hat wegen des Sporttests leider nicht geklappt. Aber seit ich die Altenpflege kennengelernt habe, ist das mein Traumberuf.

Hast du Vorbilder?

Ja meinen Stiefvater, der Nachtarbeiter ist. Da hat er wirklich meinen Respekt, weil er auch eine lange Anfahrt hat. Daran kann man sich gut dran orientieren, was die Arbeitsmoral angeht. Aber ich werde definitiv in der Pflege bleiben.

Was sind die Lehrinhalte deiner Ausbildung?

Oh, das ist viel. In der Praxis lernt man den Arbeitsalltag, die Leute und seine Station kennen. Im theoretischen Teil lernt man etwas über Körperpflege, Anatomie und Krankheitsbilder. Neuerdings haben wir auch das Fach Musik; das gehört zu den therapeutischen Maßnahmen. Musik macht fröhlich und man merkt auch, dass die älteren Menschen darauf sehr positiv reagieren. Später kommen noch physiologische Grundlagen dazu. Da erfährt man zum Beispiel, wie aus Blutbestandteilen Urin wird. Man lernt, wie Medikamente wirken, welche Maßnahmen zur Wundversorgung und -vermeidung unternommen werden müssen, welche Verbandsmittel wofür geeignet sind, Vitalzeichenermittlung, Spritzen setzen, etc.

Gibt es formale Voraussetzungen und welche Fähigkeiten sollte man für deine Ausbildung mitbringen?

Voraussetzung ist die erweiterte Berufsbildungsreife. Außerdem habe ich zuerst als Hausmeister in dem Seniorenzentrum gearbeitet, um das Haus und die Leute auf allen Stationen kennenzulernen. Zusätzlich gab es einen zweiwöchigen Einführungskurs in der Pflege und dann fing die Ausbildung an. Man sollte ein gewisses Einfühlungsvermögen und soziale Kompetenz mitbringen.

Siehst du deinen Beruf als Frauen- oder als Männerberuf?

Es ist noch ein klassischer Frauenberuf, aber das ist im Wandel und ich glaube, das ist auch ganz gut. Meine Kolleginnen fragen schon mal, ob ich nicht hier oder da mit anpacken könnte. Es ist eben keine leichte Arbeit.

Über Marina Schubert

alter Zugang von Marina Schubert, ms@medienlaborpotsdam.de