Akten wälzen und Kaffee trinken? Im Öffentlichen Dienst ist durchaus mehr möglich!

Witze, Vorurteile und Klischees prägen das Bild der Öffentlichen Verwaltung vieler Menschen. Wir haben das mal etwas genauer unter die Lupe genommen und sind überrascht, welche Vielfältigkeit sich in dieser Branche versteckt. Etwa 4,6 Millionen Frauen und Männer arbeiten in Deutschland im öffentlichen Dienst. Sie sorgen Tag für Tag dafür, dass Deutschland funktioniert, manche auch nachts. Denn der öffentliche Dienst begegnet uns überall und sorgt für grundlegende Mechanismen in unserem Alltag. Dementsprechend vielfältig sind die Gebiete, in denen man hier tätig werden kann, ob als Beamter oder Angestellter. Die Energieversorgung, das Bildungs- und Gesundheitswesen, Banken, Versicherungen, diverse Verbände und Stiftungen und nicht zuletzt die Stadtverwaltungen sind nur einige davon. Was macht den Öffentlichen Dienst als Arbeitgeber so attraktiv? Was sind die Vorteile für die Beschäftigten? Wir haben für Euch sechs Gründe für einen Job im öffentlichen Dienst recherchiert.

  1. Ein sicherer Job: Egal ob als Angestellter oder Beamter – ein Job im öffentlichen Dienst gilt als sicher. So gilt in den alten Bundesländern auf Bundes- und Landesebene das Prinzip der Unkündbarkeit. Demnach sind Personen unkündbar, die nach mehr als 15-jähriger Betriebszugehörigkeit und Vollendung des 40. Lebensjahres beschäftigt sind
  2. Fairer und sicherer Lohn oder Besoldung: Zudem gibt es eine gute Bezahlung und klare Arbeitsbedingungen. Grund dafür ist die im Vergleich zu anderen Branchen hohe Tarifbindung. Das heißt: Regelmäßig handeln Arbeitgeber also Bund, Kommunen und Länder mit den Gewerkschaften neue Tarifverträge aus.
  3. Weihnachtsgeld: Im öffentlichen Dienst erhalten die Beschäftigten eine Jahressonderzahlung – umgangssprachlich als Weihnachtsgeld bezeichnet. Geregelt wird die Sonderzahlung im TVöD Paragraph 20.  Das Weihnachtsgeld je nach Vergütungsgruppe beträgt zwischen 60 und 90 Prozent des regulären Gehalts.
  4. Urlaub und Co.: Der TVöD und TV-L regeln eine Vielzahl von Arbeitsbedingungen in Deutschland, wie etwa den Urlaubsanspruch. Mit dem Tarifabschluss vom 1. April 2014 wurde so der Jahresurlaub für alle vom TVöD Betroffenen rückwirkend ab 1. Januar 2014 auf 30 Tage festgelegt. Zudem gibt es für alle Angestellten im öffentlichen Dienst Urlaubsgeld. Vorbildlich ist der öffentliche Dienst auch, wenn es darum geht Familie und Beruf zu vereinbaren.
  5. Sinnvolle, für die Gesellschaft wichtige Tätigkeit: Ein Job im öffentlichen Dienst stiftet Sinn. Egal ob als Erzieherin in einer Kita, Lehrer, Polizistin, Feuerwehrmann oder als Professor an einer Uniklinik – Beschäftigte im Staatsdienst leisten viel für die Gemeinschaft. Dementsprechend hoch ist auch das Ansehen in der Bevölkerung.
  6. Personalräte sichern gute Arbeitsbedingungen: Ein großer Vorteil liegt auch in der großen Akzeptanz und Verbreitung der Mitbestimmung im öffentlichen Dienst. Diverse Studien zeigen, dass Betriebs- und Personalräte erheblichen positiven Einfluss auf die Qualität der Arbeitsbedingungen haben.

Ihr wollt mehr über die Praxis erfahren? Dann seid gespannt, was uns die seit 2 Jahren in Ausbildung angehende Verwaltungsfachangestellte im Landkreis Havelland Franka Gutmacher, 21 Jahre im folgenden Interview erzählte.

  1. Wie sind Sie auf den Beruf aufmerksam geworden? Wo haben Sie sich informiert?

Franka Gutmacher hinter dem Messestand.

Meine Großeltern haben mich auf die Stellenanzeige des Landkreises Havelland in der MAZ aufmerksam gemacht. Daraufhin habe ich mich im Internet über die dort angebotenen Ausbildungsberufe informiert. Die Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten hat mich dabei am meisten angesprochen. Um einen genaueren Überblick über die Ausbildung beim Landkreis zu erlangen, fuhr ich zur Berufsausbildungsmesse nach Brandenburg und führte dort noch einmal ein persönliches Gespräch mit der Ausbildungsleiterin. Durch dieses Gespräch festigte sich mein Wunsch eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte zu beginnen.

  1. Worauf wurde bei der Bewerbung geachtet?

Um sich bewerben zu können, benötigt man in erster Linie den mittleren Bildungsabschluss oder die Hochschulreife. Dabei wird besonders auf gute Deutsch- und Mathematiknoten geachtet. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist zudem die Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens. Qualifikationen und Erfahrungen, die zum Ausbildungsbild passen sowie ein Praktikum in der Verwaltung oder in einer vergleichbaren Tätigkeit können auch von Vorteil sein. Weiterhin werden von mir Freude am Formulieren und Lesen erwartet. 

  1. Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei Ihnen aus?

Einen typischen Arbeitstag habe ich nicht, da die Ausbildung sehr abwechslungsreich gestaltet ist. Die Ausbildung im öffentlichen Dienst erfolgt nach dem dualen System. Das bedeutet, dass der praktische Teil in den Fachämtern der Verwaltung und der theoretische Teil an der Berufsschule (OSZ Neuruppin) durchgeführt wird. Während der praktischen Ausbildung durchlaufe ich mehrere Bereiche in der Verwaltung (z.B. Ordnungsamt, Haupt- und Personalamt, Kämmerei usw.). Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist der zusätzliche Unterricht, die Dienstbegleitende Unterweisung (DBU) durch die Brandenburgische Kommunalakademie (BKA). Die DBU bildet das Bindeglied zwischen Theorie und Praxis.

  1. Gibt es bestimmte Aufgabenbereiche, die Ihnen besonders viel Freude bereiten?

Besonders Freude bereitet mir die Arbeit im sozialen Bereich. Schon zum Anfang meiner Ausbildung wurde ich im Sozialamt und im Jugendamt eingesetzt. Die bürgernahe Arbeit sagt mir am meisten zu, da man sich um die Sorgen und Probleme der Menschen kümmert und versucht, eine Lösung durch verschiedene Hilfsangebote zu erreichen.

  1. Welche Kenntnisse und Fertigkeiten haben Sie sich in Ihrer Ausbildung angeeignet?

Während der Ausbildung wird nicht nur auf die Vermittlung von fachlichen Kenntnissen Wert gelegt. Organisatorische und soziale Kompetenzen bilden eine wichtige Grundlage für die spätere Arbeit im öffentlichen Dienst. Ferner erlerne ich auf mehreren Seminaren eine zielgerichtete und sachgerechte Kommunikation, die Optimierung von bürowirtschaftlichen Abläufen sowie die Anpassung von Arbeitsabläufen. Außerdem spielt die Arbeit anhand des Gesetzes eine große Rolle. Die Anwendung von Rechtsgrundlagen wird größtenteils in Personal-, Haushalts- und Rechnungswesen sowie Verwaltungsrecht vermittelt.

  1. Welche Kompetenzen und Neigungen sollte man idealerweise für eine Ausbildung zur/ zum Verwaltungsfachangestellten mitbringen?

Voraussetzung für die Arbeit in der Verwaltung ist eine gute Allgemeinbildung sowie Interesse an aktuellen politischen Ereignissen. Da die Arbeit am Computer unumgänglich ist, sollten zumindest Grundkenntnisse im Umgang mit Excel und Word vorhanden sein. Ansonsten sollte ein/-e Bewerber/-in freundlich und aufgeschlossen sein, um ein gutes Verhältnis zu den Bürgern, aber auch zu den Kollegen aufbauen zu können.

  1. Welche Möglichkeiten haben Sie, sich in Ihrem Berufsfeld zukünftig weiter zu entwickeln?

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Berufsausbildung und dreijähriger Arbeit als Verwaltungsfachangestellte/-r in der Verwaltung kann ich einen Aufstiegslehrgang zur Verwaltungsfachwirtin absolvieren. Eine weitere Möglichkeit zur Weiterbildung wäre ein Studium an einer Fachhochschule für die öffentliche Verwaltung zur Diplom-Verwaltungswirtin. Dazu werden vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der Öffentliche Dienst auf jeden Fall viele Möglichkeiten bietet und auch die Einstiegswege vielfältig sind. Und wie in vielen Bereichen, werden auch hier ständig qualifizierte Nachwuchskräfte gesucht. So bieten neben dem Landkreis Havelland am Zukunftstag viele weitere Veranstalter einen Schnuppertag in der Öffentlichen Verwaltung an. Wie wäre es beispielsweise bei einer der Agenturen für Arbeit in Cottbus, Frankfurt (Oder) und Neuruppin? Auch gibt es noch freie Plätze bei der Bundespolizeiinspektion Forst sowie bei der Bundespolizeirevier Guben. Das Berufsbild der/des Verwaltungsfachangestellten könnt Ihr am Zukunftstag direkt in der Gemeinde Kloster Lehnin und bei der Städten Forst, Falkensee, Kyritz, Prenzlau, Schwedt, Trebbin und in der Stadtverwaltung Wittenberge kennenlernen. Darüber hinaus bieten die Kreisverwaltung Landkreis Oder-Spree, der Landkreis Prignitz, die Stadtverwaltung Cottbus und der Landkreis Oberspreewald-Lausitz auch den Dualen Studiengang Öffentliche Verwaltung Brandenburg an. Ebenso erwartet Euch der Landkreis Oberhavel zusätzlich mit dem Bachelor of Laws-Öffentliche Verwaltung. Über das Berufsbild Allgemeiner Verwaltungsdienst erfahrt Ihr am Zukunftstag aber sicher auch einige interessanten Informationen vom Ministerium des Innern und für Kommunales.

Wir wünschen Euch jedenfalls einen spannenden einBlick im Fokus der Öffentlichen Verwaltung.